Sanierung mit „ProBier-Effekt“

13.12.2016

Die Neustadt bekommt einen Spezialitätenladen und ein wunderschön saniertes Haus

Landshut. In einer Zeit, in der in Landshut darum gestritten wird, was an alter Bausubstanz noch erhalten werden kann und was nicht, schafft einer abseits von der öffentlichen Diskussion wieder einmal Tatsachen. Seit Jahren saniert Rudi Napholtz alte Häuser in der Innenstadt, jetzt ist er in der Landshuter Neustadt angekommen. Neben dem ehemaligen Fachgeschäft „Foki“ hat er das Haus mit der Nummer 495 saniert, außerdem noch ein weiteres Anwesen, das an die Bindergasse angrenzt. Dazu belebt Napholtz auch noch den Einzelhandel in der Innenstadt. Im Erdgeschoss des Hauses hat Martin Brandl, ein Verwandter von Napholtz, „ProBier“ eröffnet. Dort gibt es Feinkost und Bierspezialitäten.

Eigentlich hatte Napholtz einen Nahversorger in den Geschäftsräumen unterbringen wollen. Doch dafür war den üblichen Anbietern die Ladenfläche von 105 Quadratmetern zu klein. „Für eine Boutique war die Ladenfläche wiederum zu groß“, erzählt Napholtz. Eingezogen in das Haus aus dem 17. Jahrhundert, das statisch in einem schlechten Zustand war, ist jetzt Martin Brandl (43), der Mann der Cousine von Rudi Napholtz. Der 43-Jährige hat 20 Jahre lang im Getränke-Vertrieb gearbeitet und mit dem „ProBier“ seinen Traum von der Selbstständigkeit verwirklicht. „Wir haben hier Craft-Biere, die es in Landshut nicht zu kaufen gibt“, erklärt Brandl. Dazu gehören viele internationale Sorten, zum Beispiel aus Belgien oder den Niederlanden zum Beispiel, aber auch Biere aus hiesigen Brauereien, die aber zu klein sind, als dass sie in Getränkemärkten angeboten würden.

„Dazu gehört zum Beispiel das Baumburger Klosterbier aus Trostberg oder eine Sorte aus dem bayerischen Wald.“ Craftbeer – das ist für Brandl vor allen Dingen eines: Biere, bei denen jeder Arbeitsschritt tatsächlich noch von Hand erfolgt. Im Laden des ausgebildeten Biersommeliers finden sich aber auch ausgefallene Sorten, wie zum Beispiel das Champagner-Bier, „das wurde mit Champagner-Hefe“ hergestellt wurde oder ausländische Biere, die am klassichen „Reinheitsgebot vorbeigebraut wurden.“ Mit seinem Feinkost-Laden – in dem es auch offene Schnäpse, Liköre, Öle und Essig, Dips, Saucen, Dressings, Chips, Kaffee, Sandwiches und noch vieles mehr gibt – hat er noch viel vor. Geplant sind zum Beispiel Tasting-Abende, bei denen verschiedene Biere verkostet werden. Im Sommer sind Außensitzplätze geplant und natürlich gibt es auch was für den kleinen Hunger zwischendurch und dazu noch ganz viel Informationen rund ums Bier und Tipps von Sommelier Brandl. „ProBier“ ist übrigens im doppelten Sinn wörtlich gemeint. Zum einen dreht sich hier ganz viel um das Getränk der Bayern schlechthin, aber es kann natürlich auch ganz viel probiert werden.

„Es ist jetzt so etwas wie ein moderner Tante Emma-Laden geworden“, sagt Napholtz, der nicht nur das Haus in der Neustadt von Grund auf saniert hat, sondern noch ein zweites Haus in der Bindergasse, das bisher über die Neustadt zu erreichenwar. „Die Häuser Neustadt 495 und Bindergasse 493 haben wir im Januar 2014 erworben. Die beiden Häuser wurden zu einer Hausgemeinschaft zusammengelegt und in Teileigentum (5 Wohneinheiten und 1 Ladeneinheit) aufgeteilt.“ Aufwendige Sanierung mit Fingerspitzen Unter Federführung von Rudi Napholtz, wurde in enger Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und den Käufern des Teileigentums der ersten Stunde mit viel Feingefühl saniert. Die Verbindung von Historie und Moderne ist auch hier gelungen. Ein Aufzugturm wurde angebaut, die Wohnungen, die bereits verkauft wurden, haben eine Art Wintergarten bekommen.

„Besondere Problematik war hier die sehr schwierige statische Situation. Hier mussten immer wieder individuelle und komplexe Lösungen gefunden werden“, sagt Napholtz. „Auch die Kundenwünsche waren stets zu berücksichtigen. So sind von fünf Wohnungen drei von Eigentümern bewohnt, was sowohl der Immobilie als auch der Hausgemeinschaft sehr zugutekommt.“ Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt jetzt über die Bindergasse und nicht mehr über die Neustadt.

Einkaufen kann man im neuen Geschäft „ProBier“ übrigens auch schon jetzt, die offizielle Eröffnung findet dann am Freitag um 16 Uhr statt.

Quelle: Landshuter Zeitung

(Foto: Schmid)